{"id":3501,"date":"2026-02-25T17:39:29","date_gmt":"2026-02-25T16:39:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.amal.lu\/?p=3501"},"modified":"2026-02-25T17:39:45","modified_gmt":"2026-02-25T16:39:45","slug":"restauratioun-h-d-flathead-motor-deel-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.amal.lu\/de\/restauratioun-h-d-flathead-motor-deel-2\/","title":{"rendered":"H-D Flathead Motor\u00fcberholung (Teil 2)"},"content":{"rendered":"<p>Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an den Artikel \u00fcber meinen Harley-Davidson Flathead-Motor, in dem es um den Beginn der Restauration ging <a href=\"https:\/\/www.amal.lu\/restauratioun-harley-davidson-wl\/\">(f\u00fcr alle, die ihn nicht gelesen haben und Interesse daran haben: Hier der Link zum ersten Teil dieses Kapitels).<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3509\" src=\"https:\/\/www.amal.lu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/HD4jpg-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><br \/>\nUnd hier nun der zweite Teil der Geschichte:<br \/>\nNachdem die neuen Zylinder mit neuen Kolben eingetroffen waren, kamen nach und nach auch die n\u00e4chsten Teile an, die ben\u00f6tigt wurden, um den Motor wieder zusammenbauen zu k\u00f6nnen. Dabei waren s\u00e4mtliche Dichtungen zum Abdichten des gesamten Motors, alle Messingbuchsen \u2013 sowohl f\u00fcr das Motorgeh\u00e4use als auch f\u00fcr den Geh\u00e4usedeckel \u2013, diverse neue Rollenlager, neue Ventile mit den dazugeh\u00f6rigen Ventilfedern, ein neues R\u00fcckschlagventil f\u00fcr den \u00d6lkreislauf, eine ganze Reihe von Sieben und Filtern f\u00fcr die Geh\u00e4use sowie f\u00fcr die beiden \u00d6lpumpen, neue Zylinderk\u00f6pfe (zuvor waren zwei unterschiedliche K\u00f6pfe montiert: einer mit hoher und einer mit niedriger Verdichtung) sowie jede Menge Shims (Ausgleichsscheiben), um nahezu jedes Bauteil am Motor mit der richtigen St\u00e4rke auf das korrekte Spiel einzustellen.<br \/>\nUnd schon ging es mit den Komplikationen weiter. Beim Zerlegen des Motors war mir bereits nach dem Abziehen der Zylinder aufgefallen, dass die beiden Pleuel \u2013 die bei den HD-Motoren ineinander (sozusagen ein \u201em\u00e4nnliches\u201c und ein \u201eweibliches\u201c Pleuel) auf dem Hubzapfen sitzen \u2013 ziemlich viel seitliches Spiel zwischen den beiden Schwungscheiben hatten. Also: Kurbelwelle auseinander!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3511\" src=\"https:\/\/www.amal.lu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/HD6jpg-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" \/><br \/>\nUnd da kam auch schon die n\u00e4chste \u00dcberraschung: Ich stellte fest, dass das \u201eweibliche\u201c Pleuel irgendwann in seinem Leben von irgendwem um 0,8 mm verschm\u00e4lert worden war. Sauber gemacht, ja \u2013 aber warum?<br \/>\nNach einigem Abw\u00e4gen der verschiedenen M\u00f6glichkeiten entschied ich mich, das \u00fcberm\u00e4\u00dfige Spiel in Kauf zu nehmen und beim Zusammenbau zu versuchen, es durch das Anziehen der beiden Schwungscheiben so weit wie m\u00f6glich zu reduzieren. Doch das war die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die beiden neuen Anlaufscheiben, die die Schwungscheiben ebenfalls spendiert bekamen, waren so pr\u00e4zise gefertigt, dass sie nicht richtig in die Schwungscheibe passten und sich beim Einpressen verformten. Die Kurbelwelle lie\u00df sich nicht ordentlich zusammenbauen, und die Pleuel klemmten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3513\" src=\"https:\/\/www.amal.lu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/HD08jpg-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><br \/>\nNachdem ich bei vier verschiedenen Anbietern neue Anlaufscheiben bestellt und unter den acht erhaltenen St\u00fcck keine zwei brauchbaren gefunden hatte, baute ich schlie\u00dflich die Originale \u2013 die auf einer Seite leicht eingelaufen waren \u2013 umgedreht wieder ein. So konnte die Kurbelwelle mit einem vertretbaren Ma\u00df an seitlichem Spiel wieder montiert werden.<br \/>\nWeiter ging es mit s\u00e4mtlichen Buchsen im Geh\u00e4use und im Deckel. Da sich Messingbuchsen beim Einpressen leicht zusammenziehen, muss jede einzelne nach dem Einbau mit einer Reibahle auf das passende Ma\u00df gebracht werden. Der richtige Weg ist, die beiden Geh\u00e4useh\u00e4lften (die in meinem Fall \u201ematching numbers\u201c sind und vor 80 Jahren im Werk gemeinsam angepasst wurden) sowie den Deckel zu montieren und die Buchsen anschlie\u00dfend mit dem passenden Spezialwerkzeug gemeinsam aufzureiben, damit die Nockenwellen usw. sp\u00e4ter exakt fluchtend laufen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3508\" src=\"https:\/\/www.amal.lu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/HD3jpg-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><br \/>\nMan kann das auch einzeln von Hand machen \u2013 schlie\u00dflich sprechen wir hier von einem eher rustikalen Motor und nicht von einem Hightech-Aggregat. Da ich jedoch durch Zufall mit einem sehr netten Menschen (Danke, Remon!) in Kontakt kam, der zu Hause einen wertvollen Werkzeugschrank mit vielen originalen Harley-Davidson Spezialwerkzeugen aus vergangenen Jahrzehnten besitzt und mir diese f\u00fcr einen Vormittag zur Verf\u00fcgung stellte, fuhr ich mit dem Bottom End meines Motors nach Utrecht in den Niederlanden, um die Arbeit mit dem Originalwerkzeug von damals fachgerecht auszuf\u00fchren.<br \/>\nEndlich konnte der eigentliche Zusammenbau beginnen! Und weil man im Leben bekanntlich nie auslernt, habe ich die Erkenntnis gewonnen, k\u00fcnftig beim Zerlegen eines Motors alles nachzumessen und zu kontrollieren, ob auch wirklich die richtigen Teile verbaut sind. In meinem Fall waren n\u00e4mlich eine ganze Reihe kleiner Komponenten (Lagerk\u00e4fige, Distanzscheiben usw.) entweder nicht die richtigen oder nicht an der richtigen Stelle montiert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3512\" src=\"https:\/\/www.amal.lu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/HD7jpg-768x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"768\" height=\"1024\" \/><br \/>\nMehr als einmal musste ich nach einem Arbeitswochenende am Motor Kleinteile nachbestellen und jedes Mal fast 20 \u20ac Versandkosten bezahlen \u2013 f\u00fcr Teile, die oft nur einstellige oder niedrige zweistellige Eurobetr\u00e4ge kosteten. Irgendwo muss das hart verdiente Geld ja hin \u2013 und manchmal eben zu DHL. Aber man lernt ja f\u00fcr das n\u00e4chste Mal.<br \/>\nNachdem die sogenannte Scavenger-Pumpe \u2013 also die \u00d6lpumpe, die das \u00d6l aus dem Motorgeh\u00e4use absaugt und zur\u00fcck in den \u00d6ltank f\u00f6rdert \u2013 korrekt \u201egetimt\u201c, also eingestellt war, ging es mit dem Shimmen der Nockenwellen weiter. Das bedeutet, mithilfe von Ausgleichsscheiben unterschiedlicher St\u00e4rke das seitliche Spiel der Nockenwellen einzustellen. Also immer wieder den Geh\u00e4usedeckel \u00f6ffnen, Shims unterlegen, mit Dichtung zusammenbauen und von oben durch die \u00d6ffnungen der St\u00f6\u00dfelf\u00fchrungen messen, ob das Axialspiel stimmt.<br \/>\nAls das erledigt war, konnten die St\u00f6\u00dfelf\u00fchrungen sowie die St\u00f6\u00dfel eingebaut werden, und das Bottom End meines Motors war so gut wie fertig. Die neuen Kolben wurden mit neuen Kolbenringen best\u00fcckt, und auch hier zeigte sich, dass Repro-Spezialwerkzeug manchmal eher als Repro-Schrott zu bezeichnen ist \u2013 das Werkzeug zum Einsetzen der Kolbenclips war nur f\u00fcr den Schrottcontainer geeignet.<br \/>\nZum Gl\u00fcck fand sich in meinem Fundus ein Rundstahl mit passendem Durchmesser, sodass mein Puls nur etwa eine halbe Stunde lang in h\u00f6here Sph\u00e4ren stieg. Also Kolben erw\u00e4rmt, Kolbenbolzen eingesetzt und die Clips mit dem improvisierten Stahlst\u00fcck montiert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-3507\" src=\"https:\/\/www.amal.lu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/HD2jpg-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><br \/>\nDie neuen Zylinder erhielten neue Ventile und Ventilfedern (wir erinnern uns: die urspr\u00fcngliche Ursache des ganzen \u00dcbels), wurden noch einmal leicht gehohnt und anschlie\u00dfend auf das Bottom End gesetzt. Neue Zylinderkopfdichtungen, neue Deckel \u2013 und schon sah das Ganze wieder wie ein Motor aus.<br \/>\nAlso zur\u00fcck in den Rahmen damit, Nebenaggregate angebaut und der erste Kick. Zu viel Widerstand. Ein neuer Motor sollte zwar gute Kompression haben, aber nicht so viel! Au\u00dferdem spritzte es betr\u00e4chtlich an der \u00d6lpumpe heraus (ich h\u00f6re euch schon: \u201eIst halt eine Harley!\u201c).<br \/>\nNach viel Hin und Her und reichlich Kopfzerbrechen brachte mich ein Kollege (vielen Dank, Marc) auf die richtige Spur, bevor ich alles wieder auseinandergerissen h\u00e4tte. Es stellte sich heraus, dass eine der neuen Messingbuchsen im Geh\u00e4usedeckel \u2013 n\u00e4mlich die f\u00fcr den Antrieb der \u00d6lpumpe \u2013 so pr\u00e4zise gefertigt war, dass sie 0,8 mm zu dick war und die \u00d6lpumpe beim Festziehen blockierte. Unglaublich!<br \/>\nDas Problem wurde schlie\u00dflich dadurch gel\u00f6st, dass zwei Dichtungen statt einer verbaut wurden. Mal sehen, wie sich das im Alltag bew\u00e4hrt.<\/p>\n<div id=\"attachment_3515\" style=\"width: 1034px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-3515\" class=\"wp-image-3515 size-large\" src=\"https:\/\/www.amal.lu\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/HD10jpg-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"768\" \/><p id=\"caption-attachment-3515\" class=\"wp-caption-text\">Drucktest um zu sehen, ob der Motor Einlass-seitig dicht ist<\/p><\/div>\n<p>Dann war es so weit: Der Motor konnte zum ersten Mal gestartet werden. Das ist immer wieder ein besonderer Moment. Und als die alte Dame nach dem siebten oder achten Kick tats\u00e4chlich ansprang, war die Erleichterung riesig \u2013 der Stein, der mir vom Herzen fiel, war vermutlich bis unten ins Dorf zu h\u00f6ren.<br \/>\nEin paar kleinere Arbeiten stehen in den kommenden Wochen noch an, und dann hoffe ich, im Fr\u00fchjahr die Einfahrphase in Ruhe absolvieren zu k\u00f6nnen und das Kapitel WL vorerst abzuschlie\u00dfen (auch wenn wir alle wissen: Bei so alten Maschinen ist die Geschichte nie ganz zu Ende. Vielleicht ein Kapitel \u2013 aber das n\u00e4chste l\u00e4sst sicher nicht lange auf sich warten \u2026).<br \/>\nZum Schluss noch einmal ein gro\u00dfes DANKE an Marc f\u00fcr die Telefonate und das Teilen seiner Erfahrung. Danke auch an Pascal, der ovale L\u00f6cher wieder rund gemacht hat, an Yanick f\u00fcr das Einsetzen der neuen Buchsen, an Remon f\u00fcr das Ausleihen der Werkzeuge sowie an Nadine, Tom und Kai f\u00fcr die zus\u00e4tzlichen H\u00e4nde, wenn meine eigenen zwei nicht ausgereicht haben (\u201edr\u00fcck hier, zieh dort \u2026\u201c).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an den Artikel \u00fcber meinen Harley-Davidson Flathead-Motor, in dem es um den Beginn der Restauration ging (f\u00fcr alle, die ihn nicht gelesen haben und Interesse daran haben: Hier der Link zum ersten Teil dieses Kapitels). Und hier nun der zweite Teil der Geschichte: Nachdem die neuen Zylinder mit neuen Kolben eingetroffen waren, kamen nach und nach auch die n\u00e4chsten Teile an, die ben\u00f6tigt wurden, um den Motor wieder zusammenbauen zu k\u00f6nnen. 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